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Sind Depressionen im Job immer noch tabu?

Häufig erkranken Menschen im Laufe ihres Lebens an einer psychischen Erkrankung wie beispielsweise einer Depression.

Irgendwie fällt es uns immer noch leichter, über ein gebrochenes Bein oder auch Rückenschmerzen zu sprechen – wenn es uns allerdings psychisch nicht gut geht und wenn die Seele weint, dann ist es oft schwierig, die richtigen Worte zu finden. Gerade im Arbeitskontext ist das Thema Depression noch mit sehr viel Scham und Unsicherheit besetzt.

„Was, wenn mein Chef merkt, wie es mir wirklich geht? Werden die Kollegen mich dann noch ernst nehmen? Kann ich meinen Job noch gut machen?“

In meiner Ordination sind es vor allem jüngere Menschen, die mit dem Gefühl einer Depression zu mir kommen. Manchmal ist es sogar so, dass sich meine Klienten ganz und gar mit diesem Zustand identifizieren. Sie sprechen dann von „meiner“ Depression oder „meiner“ Erschöpfung. Wenn Sie unter einer psychischen Erkrankung leiden, dann gebe ich Ihnen den Rat, zuallererst „meine Depression“ durch „die Depression“ zu ersetzen – das bringt Abstand und weniger Identifikation mit dem geglaubten Krankheitsbild.

Depressionen haben unterschiedliche Gesichter und Verläufe, jedoch finden sich meiner Erfahrung nach immer wieder Ähnlichkeiten. Klienten sprechen sehr kritisch und wenig wertschätzend mit sich, sagen so etwas wie „Na typisch, dass ich da wieder versagt habe – ich bin ja wirklich zu nichts zu gebrauchen!“
Das tun wir wie automatisch ohne zu bedenken, dass solche Wörter und Sätze auf Dauer auch zu einem Glaubenssatz werden können und sich damit in unsere Gedanken und unser Tun zementieren. Also behandeln Sie sich selbst, wie ihren besten Freund, sprechen Sie gut zu sich und ersetzen Sie kritische Wörter durch Wertschätzung.

Klienten sind zudem oftmals davon überzeugt, dass eine Depression beim ersten Auftreten gekommen ist, um zu bleiben. Ich denke, so einfach kann man das nicht sagen, es gibt immer wieder Phasen im Leben, in denen wir vor enormen Herausforderungen stehen und wo alles wie ein Kartenhaus zusammenzubrechen scheint. Visualisieren Sie sich immer und immer wieder, dass Ihnen Glück, Erfolg und positives Denken zur Verfügung stehen. Nicht nur die anderen können sich wie an einem Selbstbedienungsbuffet nehmen, was sie wollen und brauchen, auch Sie können das wie selbstverständlich tun – egal ob allein oder gemeinsam. Apropos allein: Das Thema soziale Isolation ist ja gerade in Zeiten einer Pandemie allgegenwärtig und gehört momentan fast zu unserem Leben dazu. Gerade Menschen, die an Depressionen leiden, fühlen sich teilweise isoliert und vermeiden, unabhängig von Pandemien, soziale Kontakte. Sollten Sie sich in diesen Zeilen wiederfinden, dann versuchen Sie so oft wie möglich in einen virtuellen Austausch mit Freuden, Arbeitskollegen oder auch Familienmitgliedern zu gehen, auch wenn es Ihnen nicht immer leichtfällt.

Eine ganz wichtige Sache zum Schluss. Wenn es Ihnen psychisch nicht gut geht, holen Sie sich bitte medizinische und therapeutische Hilfe. Ich habe das Gefühl, dass wir, was psychische Gesundheit angeht, auch immer offener werden. Viele größere Firmen bieten bereits sogenannte EAPs (Employee Assistant Programs) an, in denen sich Mitarbeiter ganz unbürokratisch, anonym und vertrauensvoll an Berater, Therapeuten und Coaches wenden können und schnell Hilfe bekommen. Schauen Sie auf sich!

Claudia Schwinghammer
Wirtschaftspsychologin, Coach, systemische Psychotherapeutin und RTT® Certified Practitioner

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